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Biodiversitätsinitiative

Was will die Biodiversitätsinitiative?

Die Biodiversitätsinitiative

  • verstärkt den Schutz der Biodiversität, der Landschaft und des baukulturellen Erbes in der Verfassung,
  • bewahrt, was bereits unter Schutz steht und schont, was ausserhalb geschützter Objekte liegt,
  • fordert mehr Flächen und mehr Geld für die Biodiversität.
Warum braucht es die Biodiversitätsinitiative?

Vieles, was unsere Zukunft sichert, steht heute auf dem Spiel: Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Fruchtbares Kulturland wird verbaut, wertvolles baukulturelles Erbe zerstört. Schöne Landschaften werden kurzsichtigen Nutzungsinteressen geopfert. Politik und Behörden versagen beim Schutz von Biodiversität und Landschaft. Wenn wir nicht handeln, wird bald jeder Quadratmeter der Schweiz zugebaut oder intensiv bewirtschaftet sein. Für vielfältige Natur und Landschaft bleibt so kein Platz.

Der Verlust von Natur und Landschaft bedroht jedoch unsere Lebensqualität und wirkt sich negativ auf die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft aus. Mit der Biodiversitätsinitiative setzen wir ein starkes Signal gegen den schleichenden Abbau der Schutzgesetzgebung und gegen die Vernachlässigung unseres Naturkapitals.

Was bewirkt die Biodiversitätsinitiative konkret?

Die Initiative knüpft am Natur- und Heimatschutz-Artikel 78 der Bundesverfassung an und will unser Kultur-, Landschafts- und Naturerbe mit folgenden Hauptanliegen für künftige Generationen sichern:

Natur, Landschaft und Baukultur stärker berücksichtigen: Was unter rechtlichem Schutz steht, soll auch effektiv Schutz geniessen. Und für das, was nicht unter förmlichem Schutz steht, jedoch schutzwürdig ist, sind die nötigen Massnahmen gegen fortschreitende Verluste zu ergreifen.

Stufengerechte Interessenabwägung bei erheblichen Eingriffen in Schutzobjekte: Neu wird in der Verfassung festgehalten, dass für erhebliche Eingriffe in Schutzobjekte des Bundes überwiegende Interessen von nationaler Bedeutung vorliegen müssen, für erhebliche Eingriffe in kantonale Schutzobjekte überwiegende Interessen von kantonaler oder nationaler Bedeutung. Diese Vorgabe verhindert, dass Schutzobjekte von gesamtschweizerischer Bedeutung kantonalen Partikularinteressen geopfert werden.

Mehr Fläche für die Natur: Bund und Kantone werden mit der Initiative beauftragt, schutzwürdige Objekte zu bezeichnen und zu bewahren und die für die Biodiversität nötigen Flächen zu sichern. Damit leistet die neue Regelung einen wichtigen Beitrag zur Realisierung der ökologischen Infrastruktur, wie sie der Bundesrat bereits 2012 beschlossen hat. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es auch die nötigen Instrumente. Ausserdem ist die Schweiz als Mitglied der Biodiversitätskonvention dazu verpflichtet, 17% der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Davon ist sie aber noch weit entfernt. Somit trägt die Initiative auch dazu bei, internationale Biodiversitätsziele zu erreichen.

Mehr Geld für die Natur: Die für den Schutz von Natur und Biodiversität zur Verfügung stehenden Mittel sind um ein Vielfaches zu gering, um den ausgewiesenen Bedarf zu decken. Hinzu kommt, dass diese knappen Gelder auch immer wieder Kürzungsanträgen ausgesetzt sind. Das hat zur Folge, dass unsere wertvollen Naturflächen nicht wie gesetzlich eigentlich vorgesehen, erhalten und bedrohte Arten geschützt werden können. Mit der Initiative sollen endlich die zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Die zusätzlichen Gelder sollen für die Aufwertung bestehender Schutzgebiete, für die Finanzierung neuer Flächen sowie für Artenförderungsmassnahmen eingesetzt werden.

Wer steht hinter der Biodiversitätsinitiative?

Pro Natura, BirdLife Schweiz, der Schweizer Heimatschutz und die Stiftung Landschaftsschutz haben in einem starken Bündnis mit weiteren Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzverbänden den Trägerverein «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» gegründet, um die Biodiversitätsinitiative zu lancieren.

Was ist Biodiversität und warum ist sie so wichtig?

Biodiversität umfasst die verschiedenen Lebensformen (Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen, Bakterien), die unterschiedlichen Lebensräume, in denen Arten leben (Ökosysteme wie der Wald oder Gewässer), sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten (z.B. Unterarten, Sor-ten und Rassen).

Die Biodiversität ist für unsere Lebensqualität unabdingbar. Ihr verdanken wir unsere Nahrung, sauberes Wasser und Luft, Kleidung, Energie, Baustoffe, Medikamente sowie bewohnbare Landschaften. Wir müssen die Biodiversität erhalten für die künftigen Generationen, damit auch sie auf die Ressourcen zurückgreifen können, welche die Natur uns bietet.

Was sind intakte Landschaften und warum sind sie wichtig?

Der vielfältige Umgang mit der Umwelt hat in der Schweiz über Jahrhunderte ein wertvolles Natur- und Kulturerbe hervorgebracht. Intakte Landschaften beherbergen eine hohe Vielfalt regionaltypischer und einzigartiger Landschaften mit standorttypischen Tier- und Pflanzenarten, Kulturdenkmälern und Nutzungstraditionen.

Die Schweiz profitiert von ihren hochwertigen und einmaligen Landschaften, welche ein attraktives Lebensumfeld bieten und die Lebensqualität steigern, die kulturelle Vielfalt und Identität der Bevölkerung prägen sowie Tourismus und Wirtschaft stärken. Ein Blick auf die Werbeplakate von Schweiz Tourismus, Postauto Schweiz, Coop und Migros oder auch der Schweizer Naturpärke genügt, um zu erkennen, wie wichtig landschaftliche Schönheit und Biodiversität als Wirtschaftsfaktor geworden sind.

Was ist mit Baukultur gemeint und warum ist sie wichtig?

Baukultur umfasst die Summe der menschlichen Tätigkeiten, welche die natürliche oder gebaute Umwelt verändern. Sie beginnt bei der Landschaft, umfasst das Gebaute, aber auch das Ungebaute, das Dazwischen. Baukultur umfasst also alles, was in einem Land bisher gebaut oder an der Natur verändert wurde und sich durch seine charakteristischen Eigenheiten auszeichnet.

Ortsbilder und Baudenkmäler sind «Landmarks», also identitätsstiftende Elemente des Bildes, das die Menschen von ihrer Lebensumwelt in sich tragen. Verschwinden diese Bilder oder werden sie entstellt, entsteht für die Betroffenen ein Verlust an «Heimat» und damit an Identifikationsmöglichkeiten.

Landschaftsinitiative

Was will die Landschaftsinitiative?

Wir wollen den Bauboom ausserhalb der Bauzonen stoppen und die Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen sichern.

Warum braucht es die Initiative?

Ausserhalb der Städte und Agglomerationen finden wir freie, offene Landschaften: Felder, Natur, Wälder. Dabei handelt es sich um sogenanntes Nicht-Baugebiet. Die Trennung zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet zählt zu den grundlegenden Prinzipien, die dem Schutz unserer Landschaft dienen.

In den letzten Jahren wurde aber auch ausserhalb der Bauzonen rege gebaut. Jedes Jahr kommen dort deutlich über 2000 neue Bauten hinzu. Neue Grossbauten, zum Beispiel für die Landwirtschaft oder den Tourismus, belasten die Landschaft. Daneben werden zahlreiche alte Gebäude umgebaut und verlieren ihre ursprüngliche Nutzung. So werden etwa aus alten Scheunen und Ställen neue Ferienwohnungen. Alle diese Bauten erfordern neue Infrastrukturen wie Zufahrstrassen. Die Bautätigkeit im Nichtbaugebiet zerstückelt und zerstört unsere Landschaften zunehmend. Der Platz für Pflanzen wird knapper, Tiere werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Menschen finden immer weniger Erholungsräume.

Was bewirkt die Landschaftsinitiative konkret?

Die Landschaftsinitiative

  • bremst den Bauboom und die Zersiedelung im Nichtbaugebiet,
  • unterstellt das Bauen ausserhalb der Bauzonen klaren Regeln,
  • sichert naturnahe Flächen für Pflanzen und Tiere sowie das notwendige Kulturland für die einheimische Nahrungsproduktion.
Schon 2007 wurde eine Landschaftsinitiative gestartet. Wir haben 2013 über die Revision des Planungsgesetzes und anfangs 2019 über die Zersiedelungsinitiative abgestimmt. Warum jetzt nochmals eine neue Initiative?

Die neue Landschaftsinitiative ist eine Antwort auf den Bauboom ausserhalb der Bauzone. Die bisherigen Initiativen befassten sich mit dem Bauen innerhalb der Bauzonen.

Die jüngsten Initiativen haben sich auf das Problem des Bauens innerhalb der Gebäudebereiche konzentriert.